Newsletter-Archiv: Weinbau- und Rebschutzhinweise

 

Rebschutzmitteilung Nr. 3/2013


vom: 2013-07-10 11:56:03


Überregionale Mitteilung Nr. 3 vom Mittwoch, 10. Juli 2013
 
Das Wichtigste in Kürze:
·         Rebenperonospora ist vorhanden Blatt-, Gescheins- und Traubenbefall!
·         Echter Mehltau ist noch nicht verstärkt aufgetreten, die derzeitige Witterung fördert den Befall.
·         Phänologie: Die Blüte befindet sich in sehr unterschiedlichen Stadien. Bei späten Rebsorten und Lagen geht die Blüte gerade zu Ende. Die meisten Anlagen befinden sich zwischen ES 71 (Fruchtansatz) und ES 73 (Schrotkorngröße). In ganz frühen Lagen steht Traubenschluss steht unmittelbar bevor.
 
Stand der Entwicklung und Witterungsverlauf
 
Die warme und trockene Witterung der letzten Tage hat die Entwicklung der Reben stark gefördert. In sehr frühen Lagen und bei frühen Sorten steht der Traubenschluss unmittelbar bevor, während in einzelnen Fällen bei späten Sorten die Blüte gerade zu Ende geht. Infektionsbedingungen durch Rebenperonospora waren letzte Woche am 3. und 4. Juli verbreitet vorhanden; die Infektionsgefahr ist aber derzeit bei der momentanen Hochdruckwetterlage gering. Erst bei den nächsten Niederschlägen muss mit neuen Infektionen gerechnet werden. Der Echten Mehltau (Oidium) breitet sich im Moment nur sehr verhalten aus, er wird aber durch die derzeitige Wetterlage gefördert.
 
Hinweise zum Rebschutz
1.   Rebenperonospora: Die jungen Beeren sind für Rebenperonospora noch anfällig und infolge der guten Wachstumsbedingungen ist der Neuzuwachs in vielen Anlagen ohne Fungizidbelag. Daher sollte vor den nächsten Niederschlägen eine Behandlung durchgeführt werden, wenn der Abstand zur letzten Fungizidanwendung länger als 10 bis 12 Tage zurückliegt. Aufgrund der trockenen Witterung der letzten Tage sind vorbeugende Präparate wie z.B. Delan WG, Folpan 80 WDG oder Enervin zu empfehlen. Die Kombination eines vorbeugenden Präparates mit dem bei Keltertrauben neu zugelassenen Mittel VERIPHOS (Wirkstoff Kaliumphosphonat) verbessert in starken Wachstumsphasen die Wirkung. Eine Alternative dazu ist das Präparat Profiler. Nur wenn sich die Abstände aufgrund von ergiebigen Niederschlägen verlängern und sich viel Neuzwachs (mehr als 2- bis 3 Blätter) gebildet hat, ist nach Abklingen der Niederschläge ein kuratives Präparat (z.B.: Aktuan, Forum Gold, Forum Star, Melody Combi, Fantic F, Pergado, Sanvino, Vincare) empfehlenswert. Hierbei sollte unbedingt darauf geachtet werden, dass Präparate aus einer Wirkstoffgruppe nicht öfter als dreimal angewendet werden (nähere Informationen in der Sonderbeilage in „Der Badische Winzer“ „Rebschutz 2013“). Generell muss auf eine gute Benetzung der jungen Trauben geachtet werden. Bitte beachten Sie auch die Hinweise der örtlichen Weinbauberatung und die Peronospora-Prognose VitiMeteo Rebenperonospora des Staatlichen Weinbauinstituts (www.vitimeteo.de).
2.   Echter Mehltau (Oidium): Wegen des hohenInfektionsrisikos und der hochanfälligen jungen Beeren ist eine Behandlung gegen den Echten Mehltau dringend erforderlich. In Lagen mit hohem Vorjahresbefall sollte der Abstand zwischen zwei Behandlungen 10 Tage nicht übersteigen. In Rebanlagen ohne nennenswerten Vorjahresbefall sollte das Intervall max. 12 Tage betragen. Wegen des hohen Infektionsrisikos sollten organische Präparate (Luna experience bzw. Collis, Dynali bzw. Vegas, Talendo oder Vivando) verwendet werden. Momentan sollte ein Mittel aus derselben Wirkstoffgruppe nicht zweimal hintereinander verwendet werden (nähere Informationen in der Sonderbeilage in „Der Badische Winzer“ „Rebschutz 2013“). Bitte beachten Sie auch die Oidiumrisiko-Prognose „VitiMeteo Oidium“ des Staatlichen Weinbauinstituts (www.vitimeteo.de).
3.   Botrytis: Weinbauliche Verfahren stehen nach wie vor im Vordergrund, um Befall durch Botrytis und Essigfäule zu vermeiden: Optimale Laubarbeit, moderate „Entblätterung“ in der Traubenzone, optimale Magnesiumversorgung, angepasste Stickstoffdüngung. Der Einsatz eines zugelassenen Fungizids (z.B. Switch, Scala, Cantus, Teldor, Luna Privilege) ist vor allem bei dichtbeerigen Sorten, wie beispielsweise den Burgundersorten, vor dem Traubenschluss empfehlenswert. Der Effekt einer chemischen Bekämpfung wird durch die moderate „Entblätterung“ der Traubenzone, ob von Hand oder mit der Maschine, vor der Behandlung deutlich verbessert.
4. Traubenwickler: Ab sofort sind die Pheromonfallen regelmäßig auf Falterflug zu kontrollieren und die Fangzahlen zu notieren. Wo noch nicht erfolgt, bitte die Köder in den Fallen erneuern.
 
Bitte beachten Sie generell die Hinweise der örtlichen Weinbauberatung und die Informationen zu den Prognosemodellen und Wetterdaten unter www.vitimeteo.de.
 
Wichtige Hinweise
·         Der Wasseraufwand beträgt zurzeit im Spritzverfahren 1200 - 1600l/ha = Basisaufwand 3 bzw. 4 (Mittelaufwand). Basisaufwand 4 nur für sehr weitentwickelte Rebanlagen (Beginn Traubenschluss ES 77). Achten Sie bitte auf eine gute Benetzung aller grünen Rebteile!
·         Ölhaltige Präparate sind nur bedingt mit anderen Mitteln mischbar.
·         Herbizide dürfen nur innerhalb der Rebflächen, nach Möglichkeit nur unter Stock, ausgebracht werden. Auf keinen Fall dürfen Wegränder, Randflächen zu Böschungen, Graswege und Wasserrinnen behandelt werden.
·         Gebrauchsanleitungen und Bienenschutz-Verordnung beachten!
·         Beim Ansetzen der Spritzflüssigkeit ist darauf zu achten, dass kein unverdünntes Mittel verschüttet wird und keine Spritzflüssigkeit in die Kanalisation gelangt. Ebenfalls darf während der Fahrt auf keinen Fall Spritzflüssigkeit aus undichten Leitungen und Düsen sowie aus dem Füllstutzen austreten. Beim Queren von befestigten Wegen während des Spritzvorgangs muss das Spritzgerät abgeschaltet werden.
·         Zu angrenzenden Gärten, Wohngebieten, Sportplätzen, Freizeiteinrichtungen, Schulen und Kindergärten, sowie weiteren Flächen, auf denen sich Personen aufhalten, ist immer ein Mindestabstand von 3 m einzuhalten. Dies gilt auch für öffentliche Wege, daher sollte beim Ausfahren aus der Rebzeile auf einen öffentlichen Weg rechtzeitig das Spritzgerät ausgeschaltet werden.
·         Die gesamte Liste der im Weinbau zugelassenen Pflanzenschutzmittel finden sie in der Broschüre Rebschutz 2013, Badischer Winzer Märzausgabe oder
 
Für Tafeltrauben oder wenn Keltertrauben als Tafeltrauben vermarktet werden sollen, gelten andere Zulassungsbedingungen. Bitte beachten Sie, dass das neue Präparat Veriphos nur eine Zulassung für Keltertrauben besitzt, es darf nicht in Rebflächen verwendet werden, aus denen Tafeltrauben gewonnen werden. Bitte beachten Sie die Gebrauchsanweisungen der Pflanzenschutzmittel bzw. informieren Sie sich, welche für Tafeltrauben zugelassen sind. Siehe:
 
Informationen zum ökologischen Rebschutz erhalten Mitglieder des Beratungsdienstes Ökologischer Weinbau:
Erreichbar unter Tel: 0761/40165-989, Email: boew@wbi.bwl.de (Matthias Wolff, Johannes Hügle)
 
Regionale Hinweise erhalten Sie von den Anrufbeantwortern der örtlich zuständigen Weinbauberater: Bereich Tauberfranken 01805 197 197 11, Bereich Kraichgau-Bergstraße 01805 197 197 15, Bereich nördliche Ortenau 01805 197 197 16, Bereich südliche Ortenau u. nördlicher Breisgau 01805 197 197 17, Bereich südlicher Breisgau 01805 197 197 18, Bereich Kaiserstuhl 01805 197 197 19, Bereich Tuniberg 01805 197 197 20, Bereich Markgräflerland 01805 197 197 21, Bereich Bodensee 01805 197 197 22 (Vorwahl 01805 - aus dem Festnetz/Telekom: 12 Cent pro Minute).
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