Newsletter-Archiv: Weinbau- und Rebschutzhinweise

 

Rebschutzmitteilung Nr. 4/2013


vom: 2013-07-25 16:34:12


Überregionale Mitteilung Nr. 4 vom Donnerstag, 25. Juli 2013
 
Das Wichtigste in Kürze:
·         Rebenperonospora ist an Blätter und Trauben vorhanden. Ansteigender Infektionsdruck erst wieder durch Niederschläge
·         Echter Mehltau ist noch nicht verstärkt aufgetreten, die derzeitige Witterung ist günstig für Oidium, die Anfälligkeit der Trauben nimmt aber ab.
·         Phänologie: Die meisten Anlagen befinden sich zwischen ES 75 (Erbsen sind schrotkorngroß) und ES 79 (Ende Traubenschluss).
 
ZEITRAUM DER ABSCHLUSSBEHANDLUNG
 
Die Entwicklung der Reben liegt 7 bis 10 Tage hinter dem langjährigen Mittel. Wegen des sehr unterschiedlichen Blüteverlaufs bestehen aber beachtenswerte Unterschiede zwischen den Reblagen. Auch innerhalb einer Fläche sind große Unterschiede im Entwicklungsstand der Rebsorten, Rebstöcke und der Trauben zu beobachten. Die vorliegenden Schätzungen gehen von einem Lesebeginn bei frühen Sorten und in frühen Lagen ab dem 23. September aus.
 
Wegen des voraussichtlichen Beginns der Lese ab dem 23. September sollten die Abschlussbehandlungen grundsätzlich bis zum 10. August durchgeführt werden. Ausnahme: In späten Lagen und bei späten Sorten sollten die Behandlungen spätestens bis zum 15. August abgeschlossen sein! In Selektionsanlagen und Flächen mit deutlich niedrigem Ertragsniveau setzt die Reife und damit die Lese früher ein. Daher sollte in diesen Anlagen die letzte Behandlung auf jeden Fall bis spätestens zum 10. August erfolgen. In Sonderfällen z.B. in hagelgeschädigten Anlagen kann in Absprache mit der zuständigen Weinbauberatung und dem Vermarktungsbetrieb, der örtlichen Genossenschaft oder der Kellerei, ein anderer Termin gewählt werden.
Für Anlagen, in denen Trauben für „Neuen Süßen“ geerntet werden, ist der Termin der Abschlussbehandlung mit dem Vermarktungsbetrieb abzusprechen.
 
Der Zeitraum für die letzte Behandlung ist eine Empfehlung, die auf dem derzeitigen Stand der Rebentwicklung und dem aktuellen Zustand der Rebkrankheiten beruht. Grundlage sind die Wartezeiten der empfohlenen Pflanzenschutzmittel (siehe beigefügte Tabelle). Diese Wartezeiten müssen unbedingt eingehalten werden; sie dürfen auf keinen Fall unterschritten werden! Falls aufgrund der Reifeentwicklung oder starker Beerenfäule die Lese unvorhergesehen vorgezogen werden muss, muss gewährleistet sein, dass die Wartezeiten eingehalten werden.
 
Die exakte Terminierung muss von jedem Betriebsleiter eigenverantwortlich unter Berücksichtigung der Wartezeiten und des Produktionszieles vorgenommen werden.
 
STAND DER ENTWICKLUNG UND WITTERUNGSVERLAUF
 
Die warme und trockene Witterung der letzten Tage hat die Entwicklung der Reben stark gefördert, vor allem das Wachstum der Trauben. In sehr frühen Lagen und bei frühen Sorten ist Ende des Traubenschlusses erreicht.
Der Infektionsdruck durch Rebenperonospora war in den letzten zwei Wochen aufgrund der Hochdruckwetterlage sehr gering. Erst bei den nächsten Niederschlägen muss mit neuen Infektionen gerechnet werden. Der Echten Mehltau (Oidium) breitet sich im Moment nur sehr verhalten aus, er wird aber durch die derzeitige Wetterlage gefördert.
 
 
HINWEISE ZUM REBSCHUTZ
1.   Rebenperonospora: Das Infektionsrisiko wird erst beim nächsten Regen wieder ansteigen. Vor den nächsten Niederschlägen kann mit einem zugelassenen, vorbeugenden Fungizid (z.B. Folpan, Mildicut) behandelt werden. Nur noch in Ausnahmefällen, beispielsweise wenn sich die Abstände aufgrund von ergiebigen Niederschlägen deutlich verlängern und sich viel Neuzwachs gebildet hat, ist der Einsatz eines kurativen Präparates (z.B.: Aktuan, Fantic F, Forum Star, Melody Combi, Pergado, Sanvino, Vincare, VinoStar) empfehlenswert. Hierbei sollte unbedingt darauf geachtet werden, dass Präparate aus einer Wirkstoffgruppe nicht öfter als dreimal angewendet werden (nähere Information in der Sonderbeilage in der Badische Winzer „Rebschutz 2013“).
Zur Abschlussbehandlung kann eines der zugelassenen Kupferpräparate (z.B. Cuprozin progress, Cuprozin fl., Funguran progress, Kocide opti, Cuproxat, Cueva,) verwendet werden.
Die Anwendung von Pflanzenschutzmitteln für Ihre Region wird rechtzeitig durch die Hinweise der örtlichen Weinbauberatung bekannt gegeben. Hilfreich ist auch die Peronospora-Prognose „VitiMeteo Rebenperonospora“ des Staatlichen Weinbauinstituts (www.vitimeteo.de). Generell muss auf eine gute Benetzung der jungen Trauben geachtet werden. Bitte beachten Sie auch die Hinweise der örtlichen Weinbauberatung und die Peronospora-Prognose VitiMeteo Rebenperonospora des Staatlichen Weinbauinstituts (www.vitimeteo.de).
2.   Echter Mehltau (Oidium): Derzeit sind noch die „neueren“ organischen Mehltaufungizide, z.B.: Collis, Dynali, Vivando, Luna Experience, Talendo empfehlenswert. Mittel aus derselben Wirkstoffgruppe sollten aber nicht zweimal hintereinander verwendet werden.
Bei den letzten beiden Behandlungen sollten organische Mehltaufungizide aus der Klasse der DMI´s (Systhane, Topas) verwendet werden. Bitte beachten Sie auch die Oidiumrisiko-Prognose „VitiMeteo Oidium“ des Staatlichen Weinbauinstituts (www.vitimeteo.de). „VitiMeteo Oidium“ zeigt derzeit fallende Indexwerte, da die Anfälligkeit der Trauben abnimmt!
3. Botrytis, Essigfäule: Weinbauliche Verfahren stehen nach wie vor im Vordergrund, um Befall durch Botrytis und Essigfäule zu vermeiden: Optimale Laubarbeit, moderate „Entblätterung“ in der Traubenzone, optimale Magnesiumversorgung, angepasste Stickstoffdüngung. Der Einsatz eines zugelassenen Fungizids (z.B. Cantus, Luna Priviledge, Scala, Switch, Teldor,) ist vor allem bei dichtbeerigen Sorten, wie beispielsweise den Burgundersorten, zur Abschluss-Behandlung sinnvoll. Mittel aus derselben Wirkstoffgruppe sollten nicht zweimal im Jahr eingesetzt werden. Der Effekt einer chemischen Bekämpfung wird durch die moderate „Entblätterung“ der Traubenzone, ob von Hand oder mit der Maschine, vor der Behandlung deutlich verbessert.
4. Traubenwickler: Zum Teil waren in den vergangen Tagen erhebliche Fangzahlen vom Einbindigen Traubenwickler in Pheromonfallen zu verzeichnen. Bitte informieren Sie sich bei den Rebschutzwarten vor Ort über die Verhältnisse. Der Flug vom Bekreuzten Traubenwickler hat ebenfalls auf sehr niedrigem Niveau begonnen.
 
5. Kirsch-Essigfliege: Die Kirschessigfliege wurde im Spätsommer/Herbst 2011 erstmals als neuer Schädling in Deutschland nachgewiesen und hat sich in 2012 in vielen Bereichen Badens etablieren können. Das Weinbauinstitut überwacht das Auftreten mit Monitoringfallen. In der Vegetationsperiode 2013 sind bisher nur an wenigen Stellen und in geringer Zahl Kirsch-Essigfliegen in den Fallen gefangen worden. Es wird vermutet, dass die Tiere sich – wie im vergangenen Jahr - erst zum Herbst hin stärker vermehren und dann die Populationen ansteigen. Zur Zeit besteht für den Weinbau keine Gefahr. Bei veränderter Lage werden wir in unseren Rebschutzhinweisen weiter informieren.
 
 
Bitte beachten Sie generell die Hinweise der örtlichen Weinbauberatung und die Informationen zu den Prognosemodellen und Wetterdaten unter www.vitimeteo.de.
 
Wichtige Hinweise
·         Der Wasseraufwand beträgt zurzeit im Spritzverfahren 1600l/ha = Basisaufwand 4,0 (Mittelaufwand). Achten Sie bitte auf eine gute Benetzung aller grünen Rebteile!
·         Ölhaltige Präparate sind nur bedingt mit anderen Mitteln mischbar.
·         Herbizide dürfen nur innerhalb der Rebflächen, nach Möglichkeit nur unter Stock, ausgebracht werden. Auf keinen Fall dürfen Wegränder, Randflächen zu Böschungen, Graswege und Wasserrinnen behandelt werden.
·         Gebrauchsanleitungen und Bienenschutz-Verordnung beachten!
·         Beim Ansetzen der Spritzflüssigkeit ist darauf zu achten, dass kein unverdünntes Mittel verschüttet wird und keine Spritzflüssigkeit in die Kanalisation gelangt. Ebenfalls darf während der Fahrt auf keinen Fall Spritzflüssigkeit aus undichten Leitungen und Düsen sowie aus dem Füllstutzen austreten. Beim Queren von befestigten Wegen während des Spritzvorgangs muss das Spritzgerät abgeschaltet werden.
·         Zu angrenzenden Gärten, Wohngebieten, Sportplätzen, Freizeiteinrichtungen, Schulen und Kindergärten, sowie weiteren Flächen, auf denen sich Personen aufhalten, ist immer ein Mindestabstand von 3 m einzuhalten.
·         Die gesamte Liste der im Weinbau zugelassenen Pflanzenschutzmittel finden sie in der Broschüre Rebschutz 2013, Badischer Winzer Märzausgabe oder
 
Für Tafeltrauben oder wenn Keltertrauben als Tafeltrauben vermarktet werden sollen, gelten andere Zulassungsbedingungen. Bitte beachten Sie, dass das neue Präparat Veriphos nur eine Zulassung für Keltertrauben besitzt, es darf nicht in Rebflächen verwendet werden, aus denen Tafeltrauben gewonnen werden. Bitte beachten die Gebrauchsanweisungen der Pflanzenschutzmittel bzw. informieren Sie sich, welche für Tafeltrauben zugelassen sind. Siehe:
 
Informationen zum ökologischen Rebschutz erhalten Mitglieder des Beratungsdienstes Ökologischer Weinbau:
Erreichbar unter Tel: 0761/40165-989, Email: boew@wbi.bwl.de (Matthias Wolff, Johannes Hügle)
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