Newsletter-Archiv: Weinbau- und Rebschutzhinweise

 

Rebschutzmitteilung Nr. 7/2013


vom: 2013-09-20 13:34:10


Informationen zur Kirschessigfliege (Drosophila suzukii)

Die aus Asien stammende Kirschessigfliege, Drosophila suzukii, wurde erstmals 2008 in Spanien gefunden und konnte sich innerhalb kürzester Zeit über weite Bereiche Europas ausbreiten. Die Kirschessigfliege  befällt weichschalige Früchte wie Kirsche, Pflaume, Brombeere, Himbeere, Erdbeere sowie Tafel- und Keltertrauben. Im Gegensatz zu den heimischen Essigfliegen, die ihre Eier nur an vorgeschädigte Beeren absetzen, legt die Kirschessigfliege ihre Eier mit einer speziellen Legeeinrich-tung am Hinterleib in das Innere von intakten Früchten. Die Folge ist eine überraschend kommende und schnelle Fäulnis. Das Weinbauinstitut hatte im Badischen Winzer (Ausgabe April) ausführlich über diese Art informiert. 

Seit 2011 ist Drosophila suzukii auch in Baden bekannt, wo sie sich 2012 weiter etablieren konnte. Das umfangreiche Fallenmonitoring des Staatlichen Weinbauinstituts zeigt, dass das Tier in 2013 in weiten Teilen Badens vorkommt. Die Art wurde über die Sommermonate vor allem in oder am Rande von Obstanlagen und Wildfrüchten zahlreich gefangen. Zur Zeit steigen die Fangzahlen aber auch in den Rebanlagen – daher bitten wir nun auch im Weinbau um besondere Achtsamkeit.

Besonders dunkel gefärbte Rebsorten werden mit zunehmender Reifeentwicklung attraktiver für die Kirschessigfliege. Gefährdet sind insbesondere Rebanlagen in Waldnähe und in Nachbarschaft zu Beerenobst, vor allem Brombeere und Holunder (Kulturanlangen, Wildfrüchte, Kleingärten). Eiablagen sind bisher nur im südlichen Markgräflerland (v.a. Raum Haltingen) an Dunkelfelder, Rotem Gutedel und vereinzelt auch an Spätburgunder beobachtet worden. In anderen Teilen Badens sind trotz inten-siver Beprobung bisher keine Eier nachgewiesen worden. Das Weinbauinstitut wird weiterhin bei sei-nen Untersuchungen und in Verdachtsfällen Beerenproben auf Eiablage durch die Kirschessigfliege  kontrollieren und gegebenenfalls weitere Informationen veröffentlichen.

Empfehlungen:

1. Bitte beobachten Sie sorgsam Ihre Anlagen. Typisch für einen beginnenden Befall ist Saftaustritt aus einzelnen Früchten. Dies kann allerdings auch durch Aufplatzen von Beeren auf-grund der Witterung erfolgen. Auch plötzlich auftretende Fäulnis einzelner Beeren ohne sicht-bare Ursachen (Abdrücken, Wespen- und Ameisenfraß) könnte ein Indiz für Befall darstellen. Anlagen in Waldnähe sind nach den Erfahrungen besonders gefährdet. Auf Befall von Brombeeren und Holunder in der unmittelbaren Umgebung sollte ebenfalls geachtet werden. Bei Verdacht kann Fruchtmaterial (Trauben, Wildfrüchte etc.) auch sehr leicht einige Tage in einem nur mit kleinen Luftlöchern versehenem Behältnis aufbewahrt und auf Schlupf der Fliegen untersucht werden. Die Männchen lassen sich gut an den schwarzen Punkten auf den Flügelspitzen erkennen. Bei Verdachtsfällen bitten wir, die Weinbauberatung zu informieren.

2. Begleitende weinbauliche Maßnahmen
Hohe Temperaturen sowie trockene, stark besonnte Standorte werden von der Kirschessigfliege gemieden. Daher empfiehlt sich eine moderate Entblätterung. Der Südtiroler Beratungs-ring empfiehlt außerdem, auf den Boden geschnittene Traubenreste umgehend zu Mulchen, um den Verrottungsprozess zu beschleunigen oder die Traubenreste aus der Rebanlage zu entfernen. Kirschessigfliegen legen ihre Eier zwar gewöhnlich nicht auf verrottendes Frucht-material, werden jedoch durch den entstehenden Gärgeruch in die betreffende Anlage gelockt.

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