Newsletter-Archiv: Weinbau- und Rebschutzhinweise

 

Rebschutzmitteilung Nr. 3/2014


vom: 2014-06-17 12:56:42


Überregionale Mitteilung Nr. 3 vom Dienstag, 17. Juni 2014
 
Das Wichtigste in Kürze:
  • Rebenperonospora nur vereinzelt und sehr gering vorhanden. Sehr geringer Infektionsdruck
  • Echter Mehltau ist bisher nur in Befallslagen aufgetreten, die derzeitige Witterung fördert in diesen Rebflächen den Befall.
  • Phänologie: Bei späten Rebsorten und Lagen geht die Blüte gerade zu Ende. Die meisten Anlagen befinden sich zwischen ES 71 (Fruchtansatz) und ES 73 (Schrotkorngröße). In den ganz frühen Lagen steht Traubenschluss bevor. 

     
Stand der Entwicklung und Witterungsverlauf
 
Die heiße und trockene Witterung über das Pfingstwochenende und in der Woche danach hat, das Wachstum der Reben extrem gefördert. In sehr frühen Lagen und bei frühen Sorten steht der Traubenschluss in den nächsten Tagen bevor, während in einzelnen Fällen bei späten Sorten die Blüte gerade zu Ende geht. Infektionsbedingungen durch Rebenperonospora waren letzte Woche nur vorhanden, wo Gewitterniederschläge stattfanden. Die Infektionsgefahr ist aber derzeit wegen der momentanen Hochdruckwetterlage sehr gering. Erst bei den nächsten ergiebigen Niederschlägen muss mit Infektionen gerechnet werden. Der Echte Mehltau (Oidium) breitet sich im Moment nur in den Befallslagen aus, er wird aber durch die derzeitige Wetterlage gefördert.
 
Hinweise zum Rebschutz
1.   Rebenperonospora: Die jungen Beeren sind für Rebenperonospora noch anfällig und infolge des raschen Wachstums ist der Neuzuwachs in vielen Anlagen ohne Fungizidbelag. Daher sollte vor den nächsten Niederschlägen eine Behandlung durchgeführt werden, wenn der Abstand zur letzten Fungizidanwendung länger als 12 bis 14 Tage zurückliegt. Aufgrund der trockenen Witterung der letzten Tage sind bevorzugt vorbeugende Präparate wie z.B. Enervin, Delan WG, Folpan 80 WDG oder Mildicut anzuwenden. Bei Einsatz des Präparates VERIPHOS (Wirkstoff Kaliumphosphonat) ist der Zusatz eines vorbeugenden Präparates erforderlich, da Phosphonate (frühere Bezeichnungen Phosphite, phosphorige Säure etc.) in erster Linie das zuwachsende Gewebe schützen. Die Kombination eines vorbeugenden Präparates mit VERIPHOS erhöht in Wachstumsphasen die Wirkungssicherheit. Eine Alternative hierzu ist das Präparat Profiler. Ein kuratives Präparat (z.B.: Aktuan, Forum Gold, Forum Star, Melody Combi, Fantic F, Pergado, Sanvino, Vincare) ist nur empfehlenswert, wenn sich die Abstände aufgrund von anhaltenden, ergiebigen Niederschlägen verlängern und sich viel Neuzwachs (mehr als 2- bis 3 Blätter) gebildet hat. In dieser Ausnahmesituation ist nach Abklingen der Niederschläge der Einsatz eines kurativen Fungizides sinnvoll. Hierbei sollte unbedingt darauf geachtet werden, dass Präparate aus einer Wirkstoffgruppe nicht öfter als dreimal angewendet werden (nähere Information in der Sonderbeilage in „Der Badische Winzer“ „Rebschutz 2014“). Generell muss auf eine gute Benetzung der Gescheine geachtet werden. Die Terminierung von Pflanzenschutzmitteln für Ihre Region wird rechtzeitig durch die Hinweise der örtlichen Weinbauberatung bekanntgegeben. Bitte beachten Sie auch die Hinweise der örtlichen Weinbauberatung und die Peronospora-Prognose VitiMeteo Rebenperonospora des Staatlichen Weinbauinstituts (www.vitimeteo.de).
 
2.   Echter Mehltau (Oidium): Wegen des hohenInfektionsrisikos und der hochanfälligen jungen Beeren ist eine Behandlung gegen den Echten Mehltau dringend erforderlich. In Lagen mit hohem Vorjahresbefall sollte der Abstand zwischen zwei Behandlungen 10-12 Tage nicht übersteigen. In Rebanlagen ohne nennenswerten Vorjahresbefall kann das Intervall momentan max. 14 Tage betragen. Wegen des hohen Infektionsrisikos sollten organische Präparate (Luna experience bzw. Collis, Dynali bzw. Vegas, Talendo oder Vivando) verwendet werden. Momentan darf ein Mittel aus derselben Wirkstoffgruppe nicht zweimal hintereinander verwendet werden (nähere Informationen in der Sonderbeilage in „Der Badische Winzer“ „Rebschutz 2014“). Bitte beachten Sie auch die Oidiumrisiko-Prognose „VitiMeteo Oidium“ des Staatlichen Weinbauinstituts (www.vitimeteo.de).
3.   Botrytis: Weinbauliche Verfahren stehen nach wie vor im Vordergrund, um Befall durch Botrytis und Essigfäule zu vermeiden: Optimale Laubarbeit, moderate „Entblätterung“ in der Traubenzone, optimale Magnesiumversorgung, angepasste Stickstoffdüngung. Der Einsatz eines zugelassenen Fungizids (z.B. Switch, Scala, Cantus, Teldor, Luna Privilege) ist vor allem bei dichtbeerigen Sorten, wie beispielsweise den Burgundersorten, vor dem Traubenschluss empfehlenswert. Der Effekt einer chemischen Bekämpfung wird durch die moderate „Entblätterung“ der Traubenzone, ob von Hand oder mit der Maschine, vor der Behandlung deutlich verbessert.
4. Traubenwickler: Die Pheromonfallen sind regelmäßig auf Falterflug zu kontrollieren und die Fang      zahlen zu notieren. Wo noch nicht erfolgt, bitte die Köder in den Fallen erneuern.
 
Bitte beachten Sie generell die Hinweise der örtlichen Weinbauberatung und die Informationen zu den Prognosemodellen und Wetterdaten unter www.vitimeteo.de.
 
Wichtige Hinweise
·         Der Wasseraufwand beträgt zurzeit im Spritzverfahren 1200 - 1400l/ha = Basisaufwand 3 bzw. 3,5 (Mittelaufwand)
·         Achten Sie bitte auf eine gute Benetzung aller grünen Rebteile!
·         Ölhaltige Präparate sind nur bedingt mit anderen Mitteln mischbar.
·         Herbizide dürfen nur innerhalb der Rebflächen, nach Möglichkeit nur unter Stock, ausgebracht werden. Auf keinen Fall dürfen Wegränder, Randflächen zu Böschungen, Graswege und Wasserrinnen behandelt werden.
·         Gebrauchsanleitungen und Bienenschutz-Verordnung beachten!
·         Beim Ansetzen der Spritzflüssigkeit ist darauf zu achten, dass kein unverdünntes Mittel verschüttet wird und keine Spritzflüssigkeit in die Kanalisation gelangt. Ebenfalls darf während der Fahrt auf keinen Fall Spritzflüssigkeit aus undichten Leitungen und Düsen sowie aus dem Füllstutzen austreten. Beim Queren von befestigten Wegen während des Spritzvorgangs muss das Spritzgerät abgeschaltet werden.
·         Zu angrenzenden Gärten, Wohngebieten, Sportplätzen, Freizeiteinrichtungen, Schulen und Kindergärten, sowie weiteren Flächen, auf denen sich Personen aufhalten, ist immer ein Mindestabstand von 3 m einzuhalten. Dies gilt auch für öffentliche Wege, daher sollte beim Ausfahren aus der Rebzeile auf einen öffentlichen Weg rechtzeitig das Spritzgerät ausgeschaltet werden.
-- Um Ihre Einstellungen zu ändern, besuchen Sie [PREFERENCES]
 
 
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