Newsletter-Archiv: Weinbau- und Rebschutzhinweise

 

Rebschutzmitteilung Nr. 4/2014


vom: 2014-07-15 16:08:04


Das Wichtigste in Kürze:
·         Rebenperonospora bisher nur vereinzelt und sehr gering vorhanden.
·         Echter Mehltau ist bisher nur in Befallslagen aufgetreten.
·         Die Anfälligkeit der Trauben nimmt jetzt bei Rebenperonospora und Echtem Mehltau stark ab.
·         Phänologie: Die meisten Anlagen befinden sich zwischen ES 77 – 79 (Beginn - Ende Traubenschluss).
 
ZEITRAUM DER ABSCHLUSSBEHANDLUNG
 
Die Entwicklung der Reben liegt derzeit 7 bis 10 Tage vor dem langjährigen Mittel. Wegen des ungleichen Blüteverlaufs bestehen wie jedes Jahr Unterschiede zwischen den Reblagen. Auch innerhalb einer Fläche sind Unterschiede im Entwicklungsstand der Rebsorten, Rebstöcke und der Trauben zu beobachten. Die vorliegenden Schätzungen gehen von einem Lesebeginn bei frühen Sorten und in frühen Lagen ab dem 15. September aus.
 
Wegen des voraussichtlichen Beginns der Lese ab dem 15. September sollten die Abschlussbehandlungen grundsätzlich bis zum 02. August durchgeführt werden. In Selektionsanlagen und Flächen mit deutlich niedrigem Ertragsniveau setzt die Reife früher ein. Daher sollte in diesen Anlagen die letzte Behandlung auf jeden Fall bis spätestens zum 02. August erfolgen. In Sonderfällen, z.B. in hagelgeschädigten Anlagen, kann in Absprache mit der zuständigen Weinbauberatung und dem Vermarktungsbetrieb, der örtlichen Genossenschaft oder der Kellerei, ein anderer Termin gewählt werden.
Für Anlagen, in denen Trauben für „Neuen Süßen“ geerntet werden, ist der Termin der Abschlussbehandlung mit dem Vermarktungsbetrieb abzusprechen.
 
Der Zeitraum für die letzte Behandlung ist eine Empfehlung, die auf dem derzeitigen Stand der Rebentwicklung und dem aktuellen Zustand der Rebkrankheiten beruht. Grundlage sind die Wartezeiten der empfohlenen Pflanzenschutzmittel (siehe beigefügte Tabelle). Diese Wartezeiten müssen unbedingt eingehalten werden; sie dürfen auf keinen Fall unterschritten werden! Für Tafeltrauben oder wenn Keltertrauben als Tafeltrauben vermarktet werden sollen, gelten andere Zulassungsbedingungen. Bitte beachten Sie die Gebrauchsanweisungen der Pflanzenschutzmittel bzw. informieren Sie sich, welche für Tafeltrauben zugelassen sind. Falls aufgrund der Reifeentwicklung oder starker Beerenfäule die Lese unvorhergesehen vorgezogen werden muss, muss gewährleistet sein, dass die Wartezeiten eingehalten werden. Siehe Anlage: Wartezeiten von Pflanzenschutzmitteln, (Ertragsanlagen, Keltertrauben) im Weinbau 2014
 
Die exakte Terminierung muss von jedem Betriebsleiter eigenverantwortlich unter Berücksichtigung der Wartezeiten und des Produktionszieles vorgenommen werden.
 
STAND DER ENTWICKLUNG UND WITTERUNGSVERLAUF
 
Die warme und trockene Witterung nach der Blüte und die Niederschläge der letzten Woche hat die Entwicklung der Reben stark gefördert, vor allem das Wachstum der Trauben. In frühen Lagen und bei frühen Sorten ist das Ende des Traubenschlusses erreicht.
Der Infektionsdruck durch Rebenperonospora war bisher sehr gering. Die Niederschläge der letzten Woche könnten an nicht geschützten Blättern zu Infektionen geführt haben. Erst bei den nächsten Niederschlägen muss mit weiteren Infektionen gerechnet werden. Der Echten Mehltau (Oidium) breitet sich im Moment nur in Befallslagen aus.
 
 
HINWEISE ZUM REBSCHUTZ
1.   Rebenperonospora: Das Infektionsrisiko wird erst bei den nächsten Niederschlägen wieder ansteigen. Vor den nächsten Niederschlägen kann mit einem zugelassenen, vorbeugenden Fungizid (z.B. Folpan, Mildicut) behandelt werden. Nur noch in Ausnahmefällen, beispielsweise wenn sich die Abstände aufgrund von ergiebigen Niederschlägen deutlich verlängern und sich viel Neuzwachs gebildet hat, ist der Einsatz eines kurativen Präparates (z.B.: Aktuan, Fantic F, Forum Star, Melody Combi, Pergado, Sanvino, Vincare, VinoStar) empfehlenswert. Hierbei sollte unbedingt darauf geachtet werden, dass Präparate aus einer Wirkstoffgruppe nicht öfter als dreimal angewendet werden (nähere Information in der Sonderbeilage in der Badische Winzer „Rebschutz 2014“).
Zur Abschlussbehandlung kann eines der zugelassenen Kupferprdukte (z.B. Cuprozin progress, Funguran progress, Cuproxat, Cueva,) verwendet werden.
Die Anwendung von Pflanzenschutzmitteln für Ihre Region wird rechtzeitig durch die Hinweise der örtlichen Weinbauberatung bekannt gegeben. Hilfreich ist auch die Peronospora-Prognose „VitiMeteo Rebenperonospora“ des Staatlichen Weinbauinstituts. Bitte beachten Sie die Hinweise der örtlichen Weinbauberatung und VitiMeteo (www.vitimeteo.de).
2.   Echter Mehltau (Oidium): Bei den letzten beiden Behandlungen sollten organische Mehltaufungizide aus der Klasse der DMI´s (Systhane, Topas) verwendet werden. Bitte beachten Sie auch die Oidiumrisiko-Prognose „VitiMeteo Oidium“ des Staatlichen Weinbauinstituts (www.vitimeteo.de). „VitiMeteo Oidium“ zeigt derzeit stark fallende Indexwerte, da die Anfälligkeit der Trauben abnimmt!
3. Botrytis, Essigfäule: Weinbauliche Verfahren stehen nach wie vor im Vordergrund, um Befall durch Botrytis und Essigfäule zu vermeiden: Optimale Laubarbeit, moderate „Entblätterung“ in der Traubenzone, optimale Magnesiumversorgung, angepasste Stickstoffdüngung. Der Einsatz eines zugelassenen Fungizids (z.B. Cantus, Luna Privilege, Scala, Switch, Teldor,) ist vor allem bei dichtbeerigen Sorten, wie beispielsweise den Burgundersorten, zur Abschluss-Behandlung sinnvoll. Mittel aus derselben Wirkstoffgruppe sollten nicht zweimal im Jahr eingesetzt werden. Der Effekt einer chemischen Bekämpfung wird durch die moderate „Entblätterung“ der Traubenzone, ob von Hand oder mit der Maschine, vor der Behandlung deutlich verbessert.
4. Traubenwickler: Der Flug der Traubenwickler insbesondere des Bekreuzten Traubenwicklers hält zur Zeit noch an. Bitte informieren Sie sich bei ihrem Rebschutzwart vor Ort über die Verhältnisse.
 
5. Kirsch-Essigfliege: Die Kirschessigfliege wurde im Spätsommer/Herbst 2011 erstmals als neuer Schädling in Deutschland nachgewiesen und hat sich in 2012 und 2013 in vielen Bereichen Badens etablieren können. Das Weinbauinstitut überwacht das Auftreten mit Monitoringfallen. Bisher treten hohe Fangzahlen nur in Regionen mit angrenzenden Obstanlagen auf, wo Eiablagen vor allem in Kirschen, Himbeeren und Brombeeren beobachtet wurden. Zur Zeit besteht für den Weinbau noch keine Gefahr. Bei veränderter Lage werden wir in unseren Rebschutzhinweisen weiter informieren. Eine lockere und luftige Traubenzone hilft nicht nur Fäulnis zu vermeiden, sondern auch den Befall durch die Kirschessigfliegen zu vermeiden.
 
6. Grüne Rebzikade: Stellenweise wird Befall mit Rebzikaden berichtet. Bitte beachten Sie die örtlichen Hinweise der Weinbauberater.
 
 
 
Bitte beachten Sie generell die Hinweise der örtlichen Weinbauberatung und die Informationen zu den Prognosemodellen und Wetterdaten unter www.vitimeteo.de.
 
Wichtige Hinweise
·         Der Wasseraufwand beträgt zurzeit im Spritzverfahren 1600l/ha = Basisaufwand 4,0 (Mittelaufwand).
·         Achten Sie bitte auf eine gute, gleichmäßige Benetzung aller grünen Rebteile!
·         Ölhaltige Präparate sind nur bedingt mit anderen Mitteln mischbar.
·         Herbizide dürfen nur innerhalb der Rebflächen, nach Möglichkeit nur unter Stock, ausgebracht werden. Auf keinen Fall dürfen Wegränder, Randflächen zu Böschungen, Graswege und Wasserrinnen behandelt werden.
·         Gebrauchsanleitungen und Bienenschutz-Verordnung beachten!
·         Beim Ansetzen der Spritzflüssigkeit ist darauf zu achten, dass kein unverdünntes Mittel verschüttet wird und keine Spritzflüssigkeit in die Kanalisation gelangt. Ebenfalls darf während der Fahrt auf keinen Fall Spritzflüssigkeit aus undichten Leitungen und Düsen sowie aus dem Füllstutzen austreten. Beim Queren von befestigten Wegen während des Spritzvorgangs muss das Spritzgerät abgeschaltet werden.
·         Zu angrenzenden Gärten, Wohngebieten, Sportplätzen, Freizeiteinrichtungen, Schulen und Kindergärten, sowie weiteren Flächen, auf denen sich Personen aufhalten, ist immer ein Mindestabstand von 3 m einzuhalten. Dies gilt auch für öffentliche Wege, daher sollte beim Ausfahren aus der Rebzeile auf einen öffentlichen Weg rechtzeitig das Spritzgerät ausgeschaltet werden.
 
 
·         Informationen zum ökologischen Rebschutz erhalten Mitglieder des Beratungsdienstes Ökologischer Weinbau:
·         Erreichbar unter Tel: 0761/40165-989, Email: boew@wbi.bwl.de (Matthias Wolff, Johannes Hügle)
 
·         Regionale Hinweise erhalten Sie von den Anrufbeantwortern der örtlich zuständigen Weinbauberater: Bereich Tauberfranken 01805 197 197 11, Bereich Kraichgau-Bergstraße 01805 197 197 15, Bereich nördliche Ortenau 01805 197 197 16, Bereich südliche Ortenau u. nördlicher Breisgau 01805 197 197 17, Bereich südlicher Breisgau 01805 197 197 18, Bereich Kaiserstuhl 01805 197 197 19, Bereich Tuniberg 01805 197 197 20, Bereich Markgräflerland 01805 197 197 21, Bereich Bodensee 01805 197 197 22 (Vorwahl 01805 - aus dem Festnetz/Telekom: 12 Cent pro Minute).
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