Newsletter-Archiv: Weinbau- und Rebschutzhinweise

 

Oenologischer Hinweis Nr. 3/2014


vom: 2014-09-15 16:50:38


Hinweise zu Ernte und Verarbeitung 2014
 
Mitte September präsentieren sich die Weinberge überwiegend mit gutem Behang und einer aktiven Laubwand. Jedoch schädigte die Kirschessigfliege teilweise früh­reife Trauben. Daneben traten Schäden durch andere tierische Schädlinge auf. In kompakten Trauben drückten sich auch Beeren aufgrund der hohen Niederschläge gegenseitig auf. Der austretende Most führte verbreitet zu Essiginfektionen. Wir empfehlen, befallene Traubenteile herauszuschneiden, aber nicht herauszukratzen, damit der Essig nicht mit den gesunden Traubenteilen in Kontakt kommt.
 
Die sehr frühen Rebsorten Findling und Solaris wurden im Prädikatsweinbereich eingelagert. Bei den roten Rebsorten Dunkelfelder, Regent, Acolon und frühreifen Cabernet-Kreuzungen mussten die Essigtrauben sehr sorgfältig herausgeschnitten werden. Wer auf die konsequente Auslese der Trauben verzichtete, lagerte Moste mit hohen Essigsäuregehalten ein. Die Mostgewichte bei den frühen roten Sorten lagen meist im Qualitätsweinbereich. In ertragsstarken Rebanlagen steigen die Mostgewichte nur langsam an.
 
Die feuchtwarme Witterung im Sommer führte zu erstem Auftreten von Botrytis. Sollte sich die Botrytis verstärken, gilt es den optimalen Kompromiss zwischen gesunden Trauben und Vollreife zu finden. Im Zweifelsfall geht Gesundheit vor Oechsle! Die evtl. notwendigen Sortierungen und die zu verarbeitenden hohen Mengen werden zu Arbeitsspitzen in den Betrieben führen. Somit sollte unverzüglich mit den Vorlesen und den Sektgrundweinen begonnen werden. In frühen Lagen steht auch die Ernte von Müller-Thurgau an.
 
Aufgrund der Besonderheit des Jahrgangs – hohe Qualitätserwartung bei gleichzeitig guter Qualität – wurde der Hektarhöchstertrag in Baden für den Jahrgang 2014 von 90 auf 100 hl erhöht. Angesichts leerer Keller wird die Lagerkapazität voraussichtlich ausreichen.
Vertrieb und Kellerwirtschaft besprechen die vom Markt gewünschten Produkte und Mengen, um deren Umsetzung sich die Kellerwirte bemühen. Bei nicht passendem Lesegut (z. B. hoher Alkoholgehalt, Botrytisbefall) erfolgt während der Ernte eine kurzfristige Absprache der möglichen Produktoptionen mit dem Ziel einer Alternative in Vinfizierung und Vermarktung.
 
Die erforderlichen Behandlungsstoffe werden rechtzeitig bestellt. Altbestände an Behandlungsstoffen und Filtermaterial prüft man vor der Verwendung ausgiebig mit einem neutralen Wein.
 
Botrytis- und Essig-befallenes Lesegut sollte zwar aussortiert werden. Jedoch wird das nicht immer vollständig gelingen. Bei belastetem Lesegut gilt:
• Schnell verarbeiten! Versuche in der Vergangenheit haben gezeigt, dass Trau-ben-/ Maischestandzeiten zu einem hohen Bedarf an schwefliger Säure führen.
• Schwefeln (50 mg/kg), um die Bakterien und „wilden“ Hefen an der Vermehrung zu hemmen.
• Trauben mit Trockeneis oder Saft aus der Maische kühlen. Achtung: Aus 44 g CO2 entstehen 22,4 Liter Gas!
• Schnell abpressen, bei kritischem Lesegut nicht zu lange.
• Evtl. Analyse auf flüchtige Säure – max. 1,08 g/l bei Weiß und Rosé bzw. 1,2 g/l bei roten Erzeugnissen sind zulässig. Erzeugnisse mit höheren Gehalten gelten als verdorben und dürfen nicht weiter verarbeitet werden! Ausnahme: Beerenauslesen, Eiswein und Trockenbeerenauslesen.
• Kohleeinsatz: 1 g/hl je % befallener Beeren.
• Maximale Vorklärung, evtl. filtrieren oder pasteurisieren.
• Mindestens 20 g/hl Hefe mit schnellen An- und sicheren Durchgäreigenschaften.
• Gärung eher bei höheren Temperaturen (20 - 24 °C).
• Umfassende Hefeernährung mit DAP, Thiamin und organischen Stickstoff-Präparaten.
• Tanks gegen Ende der Gärung vollständig beifüllen.
• Test auf SO2-Bindung durchführen: 1 Liter Wein + 200 mg/l SO2, einen Tag später Analyse auf freie und gesamte SO2.
• Sensorisch und analytisch einwandfreie Jungweine nach 1 - 2 Wochen schwefeln, kritische Jungweine sofort nach der Gärung.
• UTA-FIX-Test durchführen und entsprechend Ascorbinsäure zusetzen.
• Bei der SO2-Bestimmung Reduktone bestimmen und abziehen.
• Jungweine mit grenzwertigen Gehalten an flüchtiger Säure dürfen nicht in den BSA, da der Gehalt dann noch weiter ansteigt.
Gesunde Trauben können einer Maischestandzeit und lang anhaltendes Pressen vertragen. Diese Weine sollten mit solchen Maßnahmen zu Wein bereitet werden, die mehr Aroma und Fülle mitgeben.
 
Blanc de Noirs und Grauburgunder werden nur aus gesundem Lesegut hergestellt. Um einen unerwünschten Roséschimmer zu vermeiden, sollte eine Maische-/Most­schwefelung bei diesen Erzeugnissen unterbleiben.
  
Im aktuellen September-Heft des „Badischen Winzers“ finden Sie weitere Hinweise zur Vinifizierung des Leseguts 2014.
 
Der Oenologische Hinweis Nr. 2 zur ausnahmsweisen Säuerung 2014 wurde Ihnen bereits zugeleitet, er lässt sich hier nochmals abrufen: http://goo.gl/rB8Ld5
 
Sollten Sie aktuelle Fragen zur Kellerwirtschaft haben, so wenden Sie sich bitte an uns. Wir wünschen Ihnen einen erfolgreichen Jahrgang 2014!
 
 
Das Team der Oenologie
i. A. Herbert Krebs
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