Newsletter-Archiv: Weinbau- und Rebschutzhinweise

 

Oenologischer Hinweis Nr. 4/2014


vom: 2014-10-06 16:25:52


Erhöhte Anreicherung 2014 wird teilweise zugelassen
 
Witterungsbedingt besteht ein großer zeitlicher Druck zur raschen Ernte und in der Folge zur Anwendung einer erhöhten Anreicherung. Über das Landes- und Bundeslandwirtschaftsministerium wurde daher bei der EU beantragt, die Anreicherungsspanne in Baden für bestimmte Rebsorten des Jahrgangs 2014 ausnahmsweise um 0,5 %vol zu erhöhen.
Im Anbaugebiet Baden (Weinbauzone B) können Trauben, Most, gärender Most und Jungwein der Rebsorten Gutedel, Spätburgunder, Schwarzriesling und Trollinger des Jahrgangs 2014 statt um 2 %vol (= 16 g/l) dann ausnahmsweise um maximal 2,5 %vol. (= 20 g/l) angereichert werden.
Das Ministerium für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz Baden-Württemberg hat keine Bedenken, wenn die erhöhte Anreicherungsspanne für den Jahrgang 2014 bereits vor der formalrechtlichen Zulassung angewandt wird. Die zuständigen Behörden in Baden-Württemberg sind gehalten, dies im Vorgriff auf die kommende EU-Regelung zu dulden.
Zu beachten ist, dass der erhöhte Grenzwert nur für die (additive) Anreicherung mit Saccharose und RTK usw. gilt. Im Falle der (subtraktiven) Anreicherung durch teilweise Konzentrierung von Traubenmost bleibt es hingegen bei der normalen Spanne von 2 %vol (16 g/l).
 
Auch die Anreicherungsobergrenzen in Baden bleiben unverändert:
- Deutsche Weine (ohne geografische Angabe) und Landweine: 12 %vol bzw. bei Rotwein 12,5 %vol
- Qualitätswein: 15 %vol.
 
Der Vollständigkeit halber sei angefügt, dass bei Erzeugnissen, die hernach als Prädikatswein vermarktet werden sollen, jegliche Anreicherung weiterhin unzulässig ist.
 
Das Staatliche Weinbauinstitut Freiburg empfiehlt, die erhöhte Anreicherungsspanne mit Augenmaß zu nutzen. Alkohollastige Weine mit Alkoholgehalten im Bereich von 14 %vol und mehr liegen generell nicht mehr im Trend und sollten speziell im leichteren Jahrgang 2014 vermieden werden. Falls die (erhöhte) Anreicherung erst während oder nach der Gärung durchgeführt werden soll, ist daher eine vorherige Analyse des Gesamtalkoholgehalts ratsam.
 
Wegen der Gefahr des Überschäumens sollte das Einrühren des (zusätzlichen) Zuckers oder RTKs in gärende oder bereits vergorene Partien mit der gebotenen Vorsicht erfolgen. Besonders die Zugabe noch ungelösten Zuckers führt zum Überschäumen und Absinken der Kristalle auf den Behälterboden. Darauf hingewiesen sei auch, dass beim nochmaligen Anreichern einer bereits durchgegorenen Partie Gärprobleme erfahrungsgemäß nicht ausgeschlossen werden können.
 
Zusatz-Info:
Analytik von kritischem Lesegut
Im Hinblick auf kritisches Lesegut ist zu beachten, dass die Analytik von Most etc. mittels FTIR im Most-Modus („GrapeScan“) nur für nicht angegorene Moste verlässliche Werte liefert. Sobald auch nur wenige Gramm Alkohol vorliegen, werden in diesem Modus etliche Parameter (insbesondere Flüchtige Säure und Gluconsäure) deutlich zu hoch angezeigt und das Lesegut dann fälschlicherweise als stark belastet eingestuft.
 
 
 
gez. Dr. Jürgen Sigler
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