Newsletter-Archiv: Weinbau- und Rebschutzhinweise

 

Überregionaler Rebschutzhinweis Nr. 1/2015


vom: 2015-04-15 14:01:50


Kurzinfo…

·         Phänologie: Die Reben befinden sich überwiegend im Wollestadium. Die warme Witterung wird den Austrieb stark fördern.

·         Esca: Hygienemaßnahmen sind z. Z. das einzige Mittel gegen die Krankheit, daher sollten erkrankte Weinreben rechtzeitig und vollständig aus den Rebanlagen entfernt werden.

·         Traubenwickler: Nach dem Temperatursummenmodell sind die kritischen Werte in fast allen Gebieten erreicht. Das Aufhängen der Dispenser müsste in allen Weinbaubereichen abgeschlossen sein oder demnächst erfolgen.

·         Kräusel- und Pockenmilben: Die vorhergesagte Witterung wird das Knospenschwellen weiter vorantreiben. Bei Vorjahresbefall bzw. in Junganlagen sollten Behandlungen eingeplant werden.

·         Schwarzfleckenkrankheit: Erste Symptome der Krankheit sind auf einjährigem Holz bereits in Befallslagen erkennbar. Eine Behandlung ist nur in diesen Flächen notwendig.

 

Vorbeugende Maßnahmen gegen Esca

Esca wird durch holzbewohnende Pilze verursacht, die den Holzkörper des Rebstamms besiedeln und dort für die derzeit gebräuchlichen Fungizide nicht erreichbar sind. In unseren Weinbaugebieten ist der Mittelmeerfeuerschwamm der Hauptverursacher der Esca. Er zersetzt das Holz im Rebstamm und führt zum Absterben der befallenen Pflanzen. Der Mittelmeerfeuerschwamm breitet sich durch Sporen aus, die sich in Fruchtkörpern am Stamm absterbender Pflanzen bilden. Diese Sporenquellen führen dazu, dass Weinreben in der Nachbarschaft einer befallenen Pflanze ebenfalls erkranken können und dass sich Esca auch über größere Entfernungen ausbreiten kann. Die weiträumige Ausbreitung dieses Erregers kann eingedämmt werden, wenn erkrankte Weinreben rechtzeitig entfernt werden, so dass keine Sporenquellen entstehen. Daher sollten alle Weinreben im fortgeschrittenen Stadium der Esca gerodet und abgestorbenen Rebstämme aus den Weinbergen und angrenzenden Flächen entfernt werden. Nur durch konsequente Durchführung dieser Maßnahmen in allen Rebflächen kann die derzeitige rasche Ausbreitung von Esca unterbunden werden.

 

Traubenwicklerflug steht kurz bevor

Aufgrund der ansteigenden Temperaturen ist in einigen Gebieten nach dem Temperatursummenmodell (Freiburger Modell) bald mit einem Flugbeginn des Traubenwicklers zu rechnen. Betriebe die zur Traubenwicklerbekämpfung die Pheromonverwirrmethode einsetzen, sollten die Dispenser bereist aufgehängt haben oder spätestens in der nächsten Woche aufhängen. Der berechnete Flugbeginn kann auf der Internetseite http://www.vitimeteo.de/tw/tw.shtml („VitiMeteo Traubenwickler“) nachgeschaut werden.

 

 

Kräusel- und Pockenmilben

Die vorhergesagte Witterung wird das Knospenschwellen weiter beschleunigen. Bei einem starken Befall im Vorjahr oder in Junganlagen, die noch keinen ausreichenden Raubmilbenbesatz aufweisen, sollten Behandlungen daher eingeplant werden. Das Modell „VitiMeteo Kräusel und Pockenmilbe“ gibt gute Hinweise zum Wanderungsbeginn der Kräusel und Pockenmilbe aus ihren Winterquartieren: http://www.vitimeteo.de/rustmite/rustmite.shtml. Die Wanderung hat in den frühen Lagen und Weinbaubereichen bereits eingesetzt.

 

Auf Symptome der Schwarzfleckenkrankheit achten

Die ersten Symptome des pilzlichen Erregers der Schwarzfleckenkrankheit (Phomopsis viticola) sind noch vor dem Austrieb der Knospen auf dem einjährigen Holz gut erkennbar. Die Borke der befallen Ruten bleichen zunehmend aus und lassen die dunklen Sporenlager deutlicher hervortreten. Zusätzlich kann es zum Aufreißen der Borke kommen. Eine Behandlung ist allerdings nur bei starkem Befall, der sich durch eine Ausbreitung der ausgebleichten Stellen des Holzes über das erste Auge hinaus auszeichnet, notwendig. In Befallslagen sollten Behandlungen gegen Phomopsis allerdings erst dann erfolgen, wenn das erste Grün des Austriebs sichtbar ist. Vor angekündigter, regnerischer Witterung ist eine Behandlung sinnvoll.

 

Bitte beachten Sie auch die regionalen Hinweise der amtlichen Weinbauberatung.

 

Allgemeine Hinweise:

·         Der Wasseraufwand beträgt zurzeit im Spritzverfahren 400 l/ha= Basisaufwand x 1 (Mittelaufwand); auf eine gute Benetzung aller Rebteile ist zu achten!

·         Ölhaltige Präparate sind nur bedingt mit anderen Mitteln mischbar.

·         Herbizide dürfen nur innerhalb der Rebflächen und nach Möglichkeit nur unter Stock ausgebracht werden. Auf keinen Fall dürfen Wegränder, Randflächen zu Böschungen, Graswege und Wasserrinnen behandelt werden.

·         Gebrauchsanleitungen und Bienenschutz-Verordnung sind zu beachten!

·         Beim Ansetzen der Spritzflüssigkeit ist darauf zu achten, dass kein unverdünntes Mittel verschüttet wird und keine Spritzflüssigkeit in die Kanalisation gelangt. Ebenfalls darf während der Fahrt auf keinen Fall Spritzflüssigkeit aus undichten Leitungen und Düsen sowie aus dem Füllstutzen austreten. Beim Queren von befestigten Wegen während des Spritzvorgangs muss das Spritzgerät abgeschaltet werden.

·         Zu angrenzenden Gärten, Wohngebieten, Sportplätzen, Freizeiteinrichtungen, Schulen und Kindergärten sowie weiteren Flächen, auf denen sich Personen aufhalten, ist immer ein Mindestabstand von 3 m einzuhalten.

 

Die gesamte Liste der im Weinbau zugelassenen Pflanzenschutzmittel finden Sie in der Broschüre Rebschutz 2015, Badischer Winzer Märzausgabe. Für Tafeltrauben oder wenn Keltertrauben als Tafeltrauben vermarktet werden sollen, gelten andere Zulassungsbedingungen. Bitte beachten Sie die Gebrauchsanweisungen der Pflanzenschutzmittel bzw. informieren sich, welche speziell für Tafeltrauben zugelassen sind. Siehe: http://www.lel-bw.de/pb/MLR.WBI,Lde/Startseite/Aufgaben+_+Fachbereiche/Rebschutzhinweise

 

Informationen zum ökologischen Rebschutz erhalten Mitglieder des Beratungsdienstes Ökologischer Weinbau unter: Tel: 0761/40165-989, E-Mail: boew@wbi.bwl.de (Matthias Wolff, Johannes Hügle)

 

Regionale Hinweise erhalten Sie von den Anrufbeantwortern der örtlich zuständigen Weinbauberater: Bereich Tauberfranken 01805 197 197 11, Bereich Kraichgau-Bergstraße 01805 197 197 15, Bereich nördliche Ortenau 01805 197 197 16, Bereich südliche Ortenau u. nördlicher Breisgau 01805 197 197 17, Bereich südlicher Breisgau 01805 197 197 18, Bereich Kaiserstuhl 01805 197 197 19, Bereich Tuniberg 01805 197 197 20, Bereich Markgräflerland 01805 197 197 21, Bereich Bodensee 01805 197 197 22 (Vorwahl 01805 - aus dem Festnetz/Telekom: 12 Cent pro Minute).

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