Newsletter-Archiv: Weinbau- und Rebschutzhinweise

 

Überregionaler Rebschutzhinweis Nr. 4/2015 - mit Empfehlungen zur Kirschessigfliege


vom: 2015-06-18 18:02:51


Kurzinfo…

·         Phänologie: Die Blüte ist abgeschlossen. Im Allgemeinen befinden sich die Reben im Entwicklungsstadium BBCH 69 - 71. Die vorhergesagten warmen Temperaturen Anfang nächster Woche werden das Beerenwachstum forcieren, so dass in frühen Lagen im Verlauf der nächsten Woche mit dem Beginn des Traubenschlusses zur rechnen ist.

·         Rebenperonospora: Ölflecken sind derzeit verbreitet vorhanden! Neue und starke Infektionen haben am 14. - 15. Juni stattgefunden. Das Infektionsrisiko steigt bei den nächsten Niederschlägen.

·         Oidium: Bitte Erstbefall melden!

·         Botrytis und Essigfäule: Behandlung vor Traubenschluss einplanen.

·         Schwarzfleckenkrankheit: Wird mit den Behandlungen gegen die Rebenperonospora miterfasst.

·         Traubenwickler: Köder in Pheromonfallen wechseln

·         Kirschessigfliege: Fangzahlen weiterhin moderat. Empfehlungen für 2015 beachten!

 

Stand der Entwicklung

In den meisten Rebflächen befinden sich die Reben im Entwicklungsstadium BBCH 69 - 71. Bei frühen Rebsorten bzw. in frühen Lagen ist das Stadium BBCH 73, Beeren sind schrotkorngroß, erreicht. Die Entwicklung ist genauso weit fortgeschritten wie 2014. Nach wie vor liegt die Pflanzenentwicklung weiterhin im langjährigen Durchschnitt.

 

Rebenperonospora

Weitläufig war die Niederschlagsverteilung wieder regional sehr unterschiedlich. Überall dort wo letztes Wochenende starke Niederschläge fielen und ungeschützte Blätter oder Gescheine vorhanden waren, konnte es zu Neuinfektionen kommen. Generell sollten die Spritzintervalle in Gemarkungen mit verbreitetem Befall und Infektionsrisiko nicht zu lange ausgeweitet werden.

Die jungen Beeren sind für Rebenperonospora noch anfällig und infolge des raschen Wachstums ist der Neuzuwachs an Blättern und Gescheinen in vielen Anlagen ohne Fungizidbelag. Daher sollte vor den nächsten Niederschlägen eine Behandlung durchgeführt werden, wenn der Abstand zur letzten Fungizidanwendung länger als 10 bis 12 Tage zurückliegt. Wird ein rein vorbeugendes Präparat wie z.B. Enervin, Delan WG, Folpan 80 WDG oder Mildicut eingesetzt, ist der Zusatz des Präparates Veriphos, mit dem Wirkstoff Kaliumphosphonat, derzeit empfehlenswert. Die Kombination eines vorbeugenden Mittels mit Veriphos erhöht in Wachstumsphasen und in Phasen mit Infektionsrisiko die Wirkungssicherheit. Eine Alternative hierzu ist das Präparat Profiler. Ein kuratives Mittel wie beispielsweise Aktuan, Forum Gold, Forum Star, Melody Combi, Fantic F, Pergado, Sanvino, Vincare ist ratsam, wenn sich die Abstände aufgrund von anhaltenden, ergiebigen Niederschlägen verlängern und sich viel Neuzuwachs (mehr als 2 - 3 Blätter) gebildet hat. In diesen Ausnahmesituationen ist nach Abklingen der Niederschläge der Einsatz eines kurativen Fungizides sinnvoll. Hierbei sollte unbedingt darauf geachtet werden, dass Präparate aus einer Wirkstoffgruppe nicht öfter als dreimal angewendet werden. Nähere Informationen entnehmen Sie bitte der Sonderbeilage in „Der Badische Winzer“ „Rebschutz 2015“. Generell muss auf eine gute Benetzung der Gescheine geachtet werden. Die Terminierung von Pflanzenschutzmitteln für Ihre Region wird rechtzeitig durch die Hinweise der örtlichen Weinbauberatung bekanntgegeben. Bitte beachten Sie auch die Peronospora-Prognose „VitiMeteo Rebenperonospora“ des Staatlichen Weinbauinstituts (www.vitimeteo.de).

 

Echter Mehltau (Oidium)

Aufgrund des hohen Infektionsrisikos kurz nach der Blüte und der hochanfälligen jungen Beeren ist eine Behandlung gegen den Echten Mehltau erforderlich. In Lagen mit hohem Vorjahresbefall sollte der Abstand zwischen zwei Behandlungen 10 - 12 Tage nicht übersteigen. In Rebanlagen ohne nennenswerten Vorjahresbefall kann das Intervall momentan max. 14 Tage betragen. Wegen des hohen Infektionsrisikos sollten nur organische Präparate, wie bzw. Luna Experience, Collis, Dynali, Vegas, Talendo oder Vivando verwendet werden. Vom Einsatz von Mitteln, deren Hauptwirkstoffe Strobilurine (Discus, Flint, Universalis) und Solo-Azole (Systhane, Topas) sind, wird derzeit abgeraten. Momentan darf ein Mittel aus derselben Wirkstoffgruppe nicht zweimal hintereinander verwendet werden (nähere Informationen in der Sonderbeilage in „Der Badische Winzer“ „Rebschutz 2015“). Bitte beachten Sie auch die Oidiumrisiko-Prognose „VitiMeteo Oidium“ des Staatlichen Weinbauinstituts (www.vitimeteo.de).

 

Schwarzfleckenkrankheit

Bei den anstehenden Behandlungen gegen Rebenperonospora wird die Schwarzfleckenkrankheit miterfasst.

 

Botrytis und Essigfäule

Weinbauliche Verfahren stehen nach wie vor im Vordergrund, um Befall durch Botrytis und Essigfäule zu vermeiden. Hierzu gehören optimale Laubarbeit, eine moderate „Entblätterung“, ausreichende Magnesiumversorgung und eine angepasste Stickstoffdüngung. Der Einsatz eines zugelassenen Fungizids, wie z.B. Switch, Scala, Cantus, Teldor, Luna Privilege oder Prolectus, ist vor allem bei dichtbeerigen Sorten, wie beispielsweise den Burgundersorten, vor dem Traubenschluss empfehlenswert. Bitte beachten Sie, dass der Traubenschlusstermin abhängig von der Lage, Rebsorte und Klon ist und daher sehr unterschiedlich sein kann. Der Effekt einer chemischen Bekämpfung wird durch die moderate „Entblätterung“ der Traubenzone, ob von Hand oder mit Maschine vor der Behandlung, deutlich verbessert.

 

Traubenwickler

Zur Zeit sind noch Larven der ersten Generation beider Traubenwickler zu finden. Da der Flug der zweiten Generation bevorsteht, sollten jetzt die Köder in den Pheromonfallen sowie die Klebeböden ausgewechselt werden. Die aktuellen Fangzahlen können über http://www.vitimeteo.de/monitoring/fallenfaenge.shtml abgerufen werden.

 

Kirschessigfliege

Auch weiterhin sind die Fangzahlen in den meisten Monitoringfallen in Rebanlagen relativ gering. Fallen in Obstanlagen zeigen zum Teil ansteigende Fänge. Nach Auskunft der Obstbau-Beratung stagniert der Befall in Kirschen zur Zeit in den meisten Anlagen auf niedrigem Niveau. Eine Aussage zur weiteren Populationsentwicklung ist vom Fruchtangebot und der weiteren Witterung abhängig und zurzeit noch nicht möglich. Die aktuellen Fangzahlen können über http://www.vitimeteo.de/monitoring/fallenfaenge.shtml abgerufen werden.

 

Anbei finden Sie eine Zusammenstellung „Drosophila suzukii im Weinbau – Empfehlungen 2015“. Diese enthält auch eine Auflistung mit den vorbeugenden Maßnahmen sowie eine Übersicht zum aktuellen Zulassungsstand. Über Änderungen werden wir Sie zeitnah informieren. 

 

Bitte beachten Sie generell die Hinweise der örtlichen Weinbauberatung und die Informationen zu den Prognosemodellen und Wetterdaten unter www.vitimeteo.de.

 

Allgemeine Hinweise:

·         Der Wasseraufwand beträgt zurzeit im Spritzverfahren 1200 - 1400 l/ha= Basisaufwand 3 – 3,5 (Mittelaufwand); auf eine gute Benetzung aller Rebteile ist zu achten!

·         Ölhaltige Präparate sind nur bedingt mit anderen Mitteln mischbar.

·         Herbizide dürfen nur innerhalb der Rebflächen und nach Möglichkeit nur unter Stock ausgebracht werden. Auf keinen Fall dürfen Wegränder, Randflächen zu Böschungen, Graswege und Wasserrinnen behandelt werden.

·         Gebrauchsanleitungen und Bienenschutz-Verordnung sind zu beachten!

·         Beim Ansetzen der Spritzflüssigkeit ist darauf zu achten, dass kein unverdünntes Mittel verschüttet wird und keine Spritzflüssigkeit in die Kanalisation gelangt. Ebenfalls darf während der Fahrt auf keinen Fall Spritzflüssigkeit aus undichten Leitungen und Düsen sowie aus dem Füllstutzen austreten. Beim Queren von befestigten Wegen während des Spritzvorgangs muss das Spritzgerät abgeschaltet werden.

·         Zu angrenzenden Gärten, Wohngebieten, Sportplätzen, Freizeiteinrichtungen, Schulen und Kindergärten sowie weiteren Flächen, auf denen sich Personen aufhalten, ist immer ein Mindestabstand von 3 m einzuhalten.

 

Die gesamte Liste der im Weinbau zugelassenen Pflanzenschutzmittel finden Sie in der Broschüre Rebschutz 2015, Badischer Winzer Märzausgabe. Online finden wichtige Tabellen rund um den Pflanzenschutz unter:

https://www.landwirtschaft-bw.info/pb/MLR.WBI,Lde/Startseite/Aufgaben+_+Fachbereiche/Rebschutzhinweise

 

Für Tafeltrauben oder wenn Keltertrauben als Tafeltrauben vermarktet werden sollen, gelten andere Zulassungsbedingungen. Bitte beachten Sie die Gebrauchsanweisungen der Pflanzenschutzmittel bzw. informieren sich, welche speziell für Tafeltrauben zugelassen sind. Siehe:

 http://www.lel-bw.de/pb/MLR.WBI,Lde/Startseite/Aufgaben+_+Fachbereiche/Rebschutzhinweise

 

 

Informationen zum ökologischen Rebschutz erhalten Mitglieder des Beratungsdienstes Ökologischer Weinbau unter 0761/40165-989, E-Mail: boew@wbi.bwl.de (Matthias Wolff, Johannes Hügle, Charlotte Schoch) bzw. unter 07134/504-231, E-Mail: michael.baumann@lvwo.bwl.de (Michael Baumann).

 

Regionale Hinweise erhalten Sie von den Anrufbeantwortern der örtlich zuständigen Weinbauberater: Bereich Tauberfranken 01805 197 197 11, Bereich Kraichgau-Bergstraße 01805 197 197 15, Bereich nördliche Ortenau 01805 197 197 16, Bereich südliche Ortenau u. nördlicher Breisgau 01805 197 197 17, Bereich südlicher Breisgau 01805 197 197 18, Bereich Kaiserstuhl 01805 197 197 19, Bereich Tuniberg 01805 197 197 20, Bereich Markgräflerland 01805 197 197 21, Bereich Bodensee 01805 197 197 22 (Vorwahl 01805 - aus dem Festnetz/Telekom: 12 Cent pro Minute).

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