Newsletter-Archiv: Weinbau- und Rebschutzhinweise

 

Überregionale Hinweise zum Rebschutz vom 01.07.2016


vom: 2016-07-01 14:03:36


Kurzinfo…

  • Im Allgemeinen befinden sich die Reben im Entwicklungsstadium BBCH 69 - 73. In sehr frühen Lagen ist demnächst mit dem Beginn des Traubenschlusses (BBCH 77) zu rechnen.
  • : Es besteht immer noch extrem hoher Infektionsdruck!!! Blatt – und Gescheinsbefall sind in allen Gemarkungen vorhanden.
  • : Befall ist ebenfalls vorhanden.
  • Botrytis, Essigfäule: Behandlung vor Traubenschluss einplanen.
  • : Fallen neu mit Pheromon bestücken und weiterhin kontrollieren.

 

Stand der Entwicklung

In den meisten Rebflächen befinden sich die Reben im Entwicklungsstadium Ende der Blüte (BBCH 69) bis schrotkorngroße Beeren (BBCH 73). In den ganz frühen Lagen werden im Verlauf der kommenden Woche die Stadien erbsengroße Beeren bzw. Beginn des Traubenschlusses (BBCH 75 bzw. 77) erreicht. Die phänologische Entwicklung der Reben ist besonders in diesem Jahr hinsichtlich des Gebietes, der Lage und der Rebsorte nach wie vor sehr uneinheitlich. Wir liegen immer noch etwa eine Woche hinter dem langjährigen Mittel.

 

Rebenperonospora

In allen Weinbauregionen wird verstärkt Blatt- und auch Gescheinsbefall beobachtet, der stark unterschiedlich ist. Es gibt so gut wie keine befallsfreien Rebanlagen mehr. Der Infektionsdruck ist trotz der verhältnismäßig geringen Niederschläge der letzten 10 Tage noch sehr hoch. Bei den nächsten Gewittern oder länger anhaltenden Regenfällen ist mit weiteren Infektionen zu rechnen, da derzeit außergewöhnlich viele Ölflecke vorhanden sind. Die Gescheine und kleinen Trauben sind für die Rebenperonospora immer noch anfällig. Erst während und vor allem nach dem Ende des Traubenschlusses nimmt die Anfälligkeit ab. Die nächsten Behandlungen sind nach wie vor sehr wichtig. Vor den nächsten Niederschlägen sollte eine Applikation mit einem vorbeugenden Präparat wie z.B. Delan WG, Dithane NeoTec, Enervin, Folpan 80 WDG, Mildicut oder Polyram WG in Kombination mit dem Präparat Veriphos durchgeführt werden. Beim Einsatz des Präparates Veriphos (Wirkstoff Kaliumphosphonat) ist der Zusatz eines vorbeugenden Präparates erforderlich, da Phosphonate in erster Linie das zuwachsende Gewebe schützen. Die Kombination eines vorbeugenden Präparates mit Veriphos erhöht in starken Wachstumsphasen die Wirkung und ist derzeit sinnvoll. Eine Alternative hierzu ist das Produkt Profiler. Der Einsatz von Profiler sollte in der Vegetationsperiode nur einmal erfolgen (Empfehlung der Fa. Bayer). Eine Alternative zu der Kombination Kontaktfungizid mit Veriphos bieten Präparate, die in die Reborgane eindringen. Dies sind vor allem die kurativen Präparate wie z.B.: Aktuan, Forum Gold, Forum Star, Melody Combi, Fantic F, Orvego, Pergado, Ridomil Gold MZ, Sanvino oder Vincare. Hierbei sollte unbedingt darauf geachtet werden, dass Präparate aus einer Wirkstoffgruppe nicht öfter als dreimal angewendet werden (nähere Information in der Sonderbeilage in „Der Badische Winzer“ „Rebschutz 2016“). Die örtliche Weinbauberatung gibt rechtzeitig Hinweise zur Terminierung von Pflanzenschutzmitteln für Ihre Region heraus. Bitte beachten Sie auch die Peronospora-Prognose „VitiMeteo Rebenperonospora“ des Staatlichen Weinbauinstituts (www.vitimeteo.de).

 

Echter Mehltau (Oidium)

Aufgrund des hohen Infektionsrisikos kurz nach der Blüte und der hochanfälligen jungen Beeren sind Behandlungen gegen den Echten Mehltau erforderlich. In Lagen mit hohem Vorjahresbefall sollte der Abstand zwischen zwei Behandlungen 10 - 12 Tage nicht übersteigen. In Rebanlagen ohne nennenswerten Vorjahresbefall kann das Intervall max. 14 Tage betragen. Wegen des hohen Infektionsrisikos sollten nur organische Präparate wie Luna Experience, Collis, Dynali, Vegas, Talendo oder Vivando verwendet werden. Vom Einsatz von Mitteln deren Hauptwirkstoffe Strobilurine (Discus, Flint, Universalis) oder Solo-Azole (Systhane, Topas) enthalten, wird derzeit abgeraten. Der Einsatz von Luna Experience sollte nur einmal in der Vegetationsperiode erfolgen, bevorzugt zum Zeitpunkt abgehende Blüte bis schrotkorngroße Beeren, und sollte nicht mit Profiler kombiniert werden (Empfehlung der Fa. Bayer). Momentan darf ein Mittel aus derselben Wirkstoffgruppe nicht zweimal hintereinander verwendet werden. Bitte wechseln Sie die Wirkstoffgruppen konsequent. Hierzu beachten Sie bitte unbedingt die vielfach veröffentlichte Antiresistenzstrategie 2016 (nähere Information in der Sonderbeilage in „Der Badische Winzer“ „Rebschutz 2016“).

 

Botrytis, Essigfäule

Weinbauliche Verfahren stehen im Vordergrund, um einen Befall durch Botrytis und Essigfäule vorzubeugen. Das sind z.B. optimale Laubarbeiten, moderate Entblätterung der Traubenzone nach der Blüte, optimale Magnesiumversorgung sowie angepasste Stickstoffdüngung. Der Einsatz eines zugelassenen Fungizids, z.B. Switch, Scala, Cantus, Teldor oder Prolectus, ist vor allem bei dichtbeerigen Sorten, wie den Burgundersorten, vor dem Traubenschluss empfehlenswert. Bitte beachten Sie, dass der Traubenschlusstermin abhängig von der Lage, Rebsorte sowie Klon ist und daher sehr unterschiedlich ausfallen kann. Die Wirkung einer chemischen Bekämpfung wird durch die moderate Entblätterung der Traubenzone vor der Behandlung, ob von Hand oder mit der Maschine, deutlich verbessert.

 

Traubenwickler

Der Flug der 2. Generation der beiden Traubenwicklerarten steht bevor. Die Köder in den Fallen sollten spätestens jetzt gewechselt werden und Kontrollen regelmäßig erfolgen. Die aktuellen Fangzahlen können im Monitoring-Tool unter www.vitimeteo.de eingesehen werden.

 

Allgemeine Hinweise und praktische Tipps:

  • Fachlich gute Laubarbeit, wie beispielsweise die moderate Entblätterung der Traubenzone, verbessert neben der indirekten Wirkung gegen Krankheiten und Schädlinge die Anlagerung und somit die Wirkung von allen Pflanzenschutzmitteln.
  • er Wasseraufwand beträgt zurzeit im Spritzverfahren 1200 - 1400 l/ha = Basisaufwand mal 3  -  3,5 (Mittelaufwand). Auf eine gute Benetzung aller Rebteile ist zu achten! Nur bei Befahrung jeder Gasse mit entsprechender Geschwindigkeit ist eine optimale Belagsbildung möglich!
  • Ölhaltige Präparate sind nur bedingt mit anderen Mitteln mischbar.
  • Herbizide dürfen nur innerhalb der Rebflächen und nach Möglichkeit nur unter Stock ausgebracht werden. Auf keinen Fall dürfen Wegränder, Randflächen zu Böschungen, Graswege und Wasserrinnen behandelt werden.
  • Gebrauchsanleitungen und Bienenschutz-Verordnung sind zu beachten!
  • Beim ist darauf zu achten, dass kein unverdünntes Mittel verschüttet wird und keine Spritzflüssigkeit in die Kanalisation gelangt. Ebenfalls darf während der Fahrt auf keinen Fall Spritzflüssigkeit aus undichten Leitungen, Düsen sowie aus dem Füllstutzen austreten. Beim Queren von befestigten Wegen während des Spritzvorgangs muss das Spritzgerät abgeschaltet werden.
  • Zu angrenzenden Gärten, Wohngebieten, Sportplätzen, Freizeiteinrichtungen, Schulen und Kindergärten sowie weiteren Flächen, auf denen sich Personen aufhalten, ist seit 2016 ein Mindestabstand von 5 m einzuhalten.

 

 

Bitte beachten Sie generell die Hinweise der örtlichen Weinbauberatung und die Informationen zu den Prognosemodellen und Wetterdaten unter www.vitimeteo.de.

 

Die gesamte Liste der im Weinbau zugelassenen Pflanzenschutzmittel finden Sie in der Broschüre Rebschutz 2016, Badischer Winzer Märzausgabe.

http://www.lel-bw.de/pb/MLR.WBI,Lde/Startseite/Aufgaben+_+Fachbereiche/Rebschutzhinweise

Für Tafeltrauben oder wenn Keltertrauben als Tafeltrauben vermarktet werden sollen, gelten andere Zulassungsbedingungen. Bitte beachten Sie die Gebrauchsanweisungen der Pflanzenschutzmittel bzw. informieren sich, welche speziell für Tafeltrauben zugelassen sind. Siehe:

 http://www.lel-bw.de/pb/MLR.WBI,Lde/Startseite/Aufgaben+_+Fachbereiche/Rebschutzhinweise

 

 

Informationen zum ökologischen Rebschutz erhalten Mitglieder des Beratungsdienstes Ökologischer Weinbau unter 0761/40165-989, E-Mail: boew@wbi.bwl.de (Matthias Wolff, Johannes Hügle, Tomislav Markovic) bzw. unter 07134/504-231, E-Mail: michael.baumann@lvwo.bwl.de (Michael Baumann).

 

Regionale Hinweise erhalten Sie von den Anrufbeantwortern der örtlich zuständigen Weinbauberater: Bereich Tauberfranken 01805 197 197 11, Bereich Kraichgau-Bergstraße 01805 197 197 15, Bereich nördliche Ortenau 01805 197 197 16, Bereich südliche Ortenau u. nördlicher Breisgau 01805 197 197 17, Bereich südlicher Breisgau 01805 197 197 18, Bereich Kaiserstuhl 01805 197 197 19, Bereich Tuniberg 01805 197 197 20, Bereich Markgräflerland 01805 197 197 21, Bereich Bodensee 01805 197 197 22 (Vorwahl 01805 - aus dem Festnetz/Telekom: 12 Cent pro Minute).

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