Newsletter-Archiv: Weinbau- und Rebschutzhinweise

 

Überregionale Hinweise zum Rebschutz vom 07.07.2017


vom: 2017-07-07 20:05:06


Kurzinfo…

  • Abschlussbehandlung: Sollte bis zum 29. Juli durchgeführt werden.
  • Phänologie: Im Allgemeinen befinden sich die Reben im Entwicklungsstadium BBCH 77-79 (Beginn und Ende Traubenschluss).
  • Rebenperonospora: Vereinzelt ist Blattbefall vorhanden. Insgesamt ist der Infektionsdruck derzeit gering. Die Anfälligkeit der Trauben nimmt stark ab.
  • Oidium: Zeigertriebe wurden in bekannten Befallslagen beobachtet. Die Anfälligkeit der Trauben nimmt ebenfalls stark ab.
  • Botrytis: Eventuell Einsatz von Botrytiziden zur Abschlussbehandlung einplanen.
  • Traubenwickler: Der Flug des Bekreuzten Traubenwicklers ist jetzt zu kontrollieren.
  • Winden-Glasflügelzikade: Mähen und Beseitigen von Brennessel und Ackerwinde noch vermeiden.
  • Wartezeiten von Pflanzenschutzmitteln: Infoblatt ist beigefügt.

 

 

Stand der Entwicklung

Die warme Witterung der vergangenen Wochen hat das Wachstum der Reben gefördert. Die Entwicklung ist nach wie vor etwa 7-10 Tage früher als das langjährige Mittel. Im Allgemeinen befinden sich die Rebstöcke in den Entwicklungsstadien BBCH 77  bis  79 (Beginn und Ende Traubenschluss). Bei den frostgeschädigten Rebflächen ist die Rebenentwicklung extrem unterschiedlich, hat aber vielfach aufgeholt. Der Termin der Abschlussbehandlung sollte sich jedoch an den am weitesten entwickelten Trauben in einer Rebanlage orientieren.

Wegen des voraussichtlichen Beginns der Lese ab dem 11. September sollten die Abschlussbehandlungen grundsätzlich bis zum 29. Juli durchgeführt werden. In Selektionsanlagen und Flächen mit deutlich niedrigem Ertragsniveau setzt die Reife früher ein. Daher sollte in diesen Anlagen die letzte Behandlung bis zum 22. Juli erfolgen. In Sonderfällen, z.B. in hagelgeschädigten Anlagen, kann in Absprache mit der zuständigen Weinbauberatung und dem Vermarktungsbetrieb, der örtlichen Genossenschaft oder der Kellerei, ein anderer Termin gewählt werden. Für Anlagen, in denen Trauben für „Neuen Süßen“ geerntet werden, ist der Termin der Abschlussbehandlung mit dem Vermarktungsbetrieb abzusprechen.

Der Zeitraum für die letzte Behandlung ist eine Empfehlung, die auf dem derzeitigen Stand der Rebentwicklung und dem aktuellen Zustand der Rebkrankheiten beruht. Grundlage sind die Wartezeiten der empfohlenen Pflanzenschutzmittel (siehe beigefügte Tabelle). Diese Wartezeiten müssen unbedingt eingehalten werden und dürfen auf keinen Fall unterschritten werden! Für Tafeltrauben oder wenn Keltertrauben als Tafeltrauben vermarktet werden sollen, gelten andere Zulassungsbedingungen. Bitte beachten Sie die Gebrauchsanweisungen der Pflanzenschutzmittel bzw. informieren Sie sich, welche Mittel für Tafeltrauben zugelassen sind. Falls aufgrund der Reifeentwicklung oder starker Beerenfäule die Lese vorgezogen werden sollte, muss gewährleistet sein, dass die Wartezeiten eingehalten werden. Siehe Anlage: Wartezeiten von Pflanzenschutzmitteln (Ertragsanlagen, Keltertrauben) im Weinbau 2017.

Die exakte Terminierung muss daher von jedem Betriebsleiter eigenverantwortlich unter Berücksichtigung der Wartezeiten und der Produktionsziele vorgenommen werden.

 

Rebenperonospora

Aus allen Weinbaubereichen werden zwar Ölflecken und vereinzelt befallene Trauben gemeldet, aber insgesamt ist der Infektionsdruck gering. Bei den nächsten Niederschlägen ist mit neuen Infektionen an ungeschützten Blättern und Trauben, besonders aber an den noch anfälligen Stielgerüsten in frostgeschädigten Rebanlagen, zu rechnen. Vor den nächsten Niederschlägen kann mit einem zugelassenen, vorbeugenden Fungizid (z.B. Folpan) behandelt werden. Nur in Sonderfällen, beispielsweise wenn sich die Abstände aufgrund von ergiebigen Niederschlägen deutlich verlängern und sich viel Neuzuwachs bilden sollte, ist der Einsatz eines kurativen Präparates (z.B.: das neu zugelassene Ampexio) noch empfehlenswert. Hierbei sollte auf alle Fälle darauf geachtet werden, dass Mittel aus einer Wirkstoffgruppe nicht öfters als dreimal angewendet werden. Nähere Informationen finden Sie hierzu in der Sonderbeilage „Der Badische Winzer Rebschutz 2017“. Die örtliche Weinbauberatung gibt rechtzeitig Hinweise zur Terminierung von Pflanzenschutzmitteln für Ihre Region heraus. Bitte beachten Sie auch die Peronospora-Prognose „VitiMeteo Rebenperonospora“ des Staatlichen Weinbauinstituts (www.vitimeteo.de). Zur Abschlussbehandlung kann eines der zugelassenen Kupferprodukte (z.B. Cuprozin progress, Funguran progress, Cuproxat) verwendet werden.

 

Echter Mehltau (Oidium)

Der Echte Mehltau breitet sich derzeit nur in Befallslagen aus. Bei den letzten beiden Behandlungen sollten organische Mehltaufungizide aus der Klasse der DMI´s, z.B. Systhane, verwendet werden. Bei befallsfreien Rebanlagen ist bei der letzten Behandlung der Einsatz der Kaliumhydrogencarbonate Kumar oder Vitisan (+WETCIT) eine Alternative. Bitte beachten Sie auch die Oidiumrisiko-Prognose „VitiMeteo Oidium“ des Staatlichen Weinbauinstituts (www.vitimeteo.de). „VitiMeteo Oidium“ zeigt derzeit stark fallende Indexwerte, da die Anfälligkeit der Trauben weiter abnimmt!

 

Einsparung von Pflanzenschutzmitteln

Betriebe, die die Traubenzone bei der letzten Applikation nicht gegen Peronospora und Oidium

behandeln wollen, sollten diese Methode erst in risikoarmen Rebanlagen testen. Voraussetzung dafür ist aber ein vorausgegangener fachgerechter Pflanzenschutz. Die Weinberge sollten überwiegend „befallsfrei“ sein. Risikoarme Flächen sind weder von der Rebenperonospora noch von Oidium besonders gefährdet. Hintergründe zu diesem Thema finden Sie in der Ausgabe des Badischen Winzers Juli / 2016.

 

Botrytis, Essigfäule

Weinbauliche Verfahren stehen nach wie vor im Vordergrund, um einen Befall durch Botrytis oder Essigfäule zu vermeiden, z.B. optimale Laubarbeit, moderate „Entblätterung“ in der Traubenzone, angepasste Stickstoffdüngung, sinnvolle Bodenpflege, optimale Magnesiumversorgung etc. Der Einsatz eines zugelassenen Fungizids, z.B. Cantus, ist vor allem bei dichtbeerigen Sorten, wie den Burgundersorten, zur Abschlussbehandlung sinnvoll. Mittel aus derselben Wirkstoffgruppe sollten allerdings nicht zweimal im Jahr eingesetzt werden. Der Effekt einer chemischen Bekämpfung wird durch die moderate „Entblätterung“ der Traubenzone, ob von Hand oder mit der Maschine, vor der Behandlung deutlich verbessert.

 

Traubenwickler

In Pheromon-behandelten Flächen ist keine Bekämpfungsmaßnahme erforderlich. Informieren Sie sich über die örtlichen Gegebenheiten bei Ihrem zuständigen Rebschutzwart.

 

Winden-Glasflügelzikade

Die Winden-Glasflügelzikade gilt als Überträger der Schwarzholzkrankheit. Die Flugzeit der erwachsenen Tiere beginnt in der Regel im Juni und dauert derzeit noch an. Der prognostizierte Flugbeginn in den verschiedenen Regionen kann über die VitiMeteo-Website (www.vitimeteo.de) unter „VM Schwarzholz“ abgerufen werden. Kurz vor und während der Flugzeit sollte eine Bekämpfung der Wirtspflanzen der Zikade (Acker- und Zaunwinde, Brennnessel) unterbleiben.

 

Bitte beachten Sie generell die Hinweise der örtlichen Weinbauberatung und die Informationen zu den Prognosemodellen Phänologiemodell, Wetterdaten, Regenradar und Monitoringdaten unter www.vitimeteo.de.

 

Allgemeine Hinweise:

  • Der Mittelaufwand beträgt derzeit Basisaufwand x 4.
  • Auf eine gute, gleichmäßige Benetzung aller Rebteile ist zu achten!
  • Ölhaltige Präparate sind nur bedingt mit anderen Mitteln mischbar.
  • Herbizide dürfen nur innerhalb der Rebflächen und nach Möglichkeit nur unter Stock ausgebracht werden. Auf keinen Fall dürfen Wegränder, Randflächen zu Böschungen, Graswege und Wasserrinnen behandelt werden.
  • Gebrauchsanleitungen und Bienenschutz-Verordnung sind zu beachten!
  • Beim Ansetzen der Spritzflüssigkeit ist darauf zu achten, dass kein unverdünntes Mittel verschüttet wird und keine Spritzflüssigkeit in die Kanalisation gelangt. Ebenfalls darf während der Fahrt auf keinen Fall Spritzflüssigkeit aus undichten Leitungen und Düsen sowie aus dem Füllstutzen austreten. Beim Queren von befestigten Wegen während des Spritzvorgangs muss das Spritzgerät abgeschaltet werden.
  • Zu angrenzenden Gärten, Wohngebieten, Sportplätzen, Freizeiteinrichtungen, Schulen und Kindergärten sowie weiteren Flächen, auf denen sich Personen aufhalten, ist immer ein Mindestabstand von 5 m

 

Die gesamte Liste der im Weinbau zugelassenen Pflanzenschutzmittel finden Sie in der Sonderbeilage „Rebschutz 2017“, Badischer Winzer Märzausgabe oder unter:

Für Tafeltrauben oder wenn Keltertrauben als Tafeltrauben vermarktet werden sollen, gelten andere Zulassungsbedingungen. Bitte beachten Sie die Gebrauchsanweisungen der Pflanzenschutzmittel bzw. informieren sich, welche speziell für Tafeltrauben zugelassen sind. Siehe hierzu:

 

Informationen zum ökologischen Rebschutz erhalten Mitglieder des Beratungsdienstes Ökologischer Weinbau unter 0761/40165-989, E-Mail: boew@wbi.bwl.de (Matthias Wolff, Johannes Hügle, Tomislav Markovic) bzw. unter 07134/504-231, E-Mail: michael.baumann@lvwo.bwl.de (Michael Baumann).

 

Regionale Hinweise erhalten Sie von den Anrufbeantwortern der örtlich zuständigen Weinbauberater: Bereich Tauberfranken 01805 197 197 11, Bereich Kraichgau-Bergstraße 01805 197 197 15, Bereich nördliche Ortenau 01805 197 197 16, Bereich südliche Ortenau u. nördlicher Breisgau 01805 197 197 17, Bereich südlicher Breisgau 01805 197 197 18, Bereich Kaiserstuhl 01805 197 197 19, Bereich Tuniberg 01805 197 197 20, Bereich Markgräflerland 01805 197 197 21, Bereich Bodensee 01805 197 197 22 (Vorwahl 01805 - aus dem Festnetz/Telekom: 12 Cent pro Minute).

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